Rotes Haus
» Wir nehmen uns freien Zugriff zu allem, was
wir wollen, weil es jedem gehört - in Hinsicht vor allem auf die
Musik.»
Ein Interview mit G. Steeger
Als wir gerade auf der Suche nach einem weiteren Act
für das Radio Z-Fest waren, schneite uns im Musikarchiv von Radio Z
die CD von ROTES HAUS herein. Ihre Verbindung verschiedener Stile
von Indierock über HipHop bis zu D'n'B, die bis
ins kleinste Detail unverkrampftes politisches Bewusstsein atmet,
schien uns perfekt für diesen Anlass. Wir fragten an und
tatsächlich: Sie sagten zu. Außerdem hatte ich die Gelegenheit mit götz Steeger ein ausführliches
E-Mail-Interview zu führen.
evi.h: Wann und wo und woraus ist das Rote Haus
entstanden?
götz: Jürgen und ich kommen aus Hamburg, wir spielen
seit über 10 Jahren zusammen. Unsere vorige Band, die Goetzen, ein
im Laufe mehrererJahren von ursprünglich 5 Mitgliedern
zusammengeschrumpftes Trio machte so etwas wie
Gitarrentrash, auch schon mit deutschen Texten. Wir waren auf einem
kleineren Berliner Label, das einige Zeit lang vergeblich versuchte
bei irgendeinem Major unterzubringen. Mit unserer immensen
Grundlautstärke kamen wir uns in unserer Rock-Tobsucht irgendwann
dämlich vor, und entschlossen uns, zu zweit etwas Neues zu
versuchen, die Musik sollte mehr ausdrücken können, textlich wollte
ich genauer werden, die Kampagnen, an denen ich
beteiligt bin (Mumia u.a.) mussten mit den Songs zu tun haben. Ende
98 haben wir angefangen aufzunehmen, mit Unterbrechungen, die wohl
auch dazu führten, dass die Tracks ziemlich unterschiedlich sind.
evi.h: Eure Musik ist ziemlich abwechslungsreich -
ist das Konzept?
götz: Wir haben es sehr genossen, zunächst einfach
drauflos aufzunehmen, ohne so etwas wie ein Konzept zu haben, außer
unsere eigenen geschmacklichen Vorlieben. Die meisten Songs sind
auch nur mit einem Beat oder einer Gitarre möglich, wir hatten aber
Spaß daran zu gucken, was geht. Ich finde es eine gute Art, einem
Song dadurch nahezukommen, dass man sich von den beliebigen
Möglichkeiten, wie er klingen kann, für die eine, richtige
entscheidet. Außerdem mag ich den Gedanken nicht, Dinge wegzulassen,
weil sie den Formatrahmen sprengen, damit der User möglichst gleich
weiß, in welchen Ordner er das Ganze zu stecken hat. Das ist
Strategie, ich komme mir dabei zynisch vor. Unsere Linie sind vor
allem die Texte, die Musik ist der Soundtrack dazu!
evi.h: Im Gegensatz zur Stilbreite eurer Musik ist
eure politische Linie sofort klar. Warum verbindet ihr Musik und
Politik?
götz: Man sagt die Dinge oder lässt es, beides ist
eine politische Äußerung. Ich glaube, man hat immer eine Position,
wenn man sich im öffentlichen Raum äußert. Musik ist so eine gute
Möglichkeit, weil sie nicht sachlich oder theoretisch daherkommt,
sondern Gefühle freisetzen kann, die Leute verbindet. Natürlich kann
das keine politische Aktion ersetzen, aber sie hat die besten
Mittel, zur Aktion aufzurufen. Wir haben letztes Jahr hier in
Hamburg ein Benefiz für Mumia organisiert -15 Bands und 2
Soundsystems, ein dermaßen buntes Gemisch( Ferris Mc, die goldenen
Zitronen, Justin Sullivan), wir waren uns nicht sicher, ob sich die
verschiedenen Szenezugehörigkeiten respektieren würden. Es war
sowohl beim Publikum als auch unter den verschiedenen Bands
interessant zu sehen, wie eine gemeinsame Forderung sich über den
Anspruch hip oder besonders zu sein, hinweggesetzt hat. Pop und
Politik - das geht!
evi.h: Laut Info seid ihr nur zu zweit, auf der CD
kommen einige Leute und Instrumente mehr zum Einsatz. Wie setzt ihr
das live um?
götz: Wissen wir auch noch nicht so genau, wir haben
in letzter Zeit ein paar mal zu zweit gespielt, mit digitaler
Unterstützung, sind aber gerade dabei, eine 3 oder 4-Mann-Besetzung
zu werden, wie weit das ausgegoren ist, wenn wir bei Euch anrücken,
kann ich nicht sagen, aber wir lohnen uns auch zu zweit!
evi herzing
|