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Kommentar & Diskussion
Dem Ochsen ist das nicht gestattet
Ein Kommentar zu Israel und der deutschen Linken
Von Moshe Zuckermann
Wenn ich die antiisraelische Kritik aus Deutschland höre
und den Beifall, der dort aus bestimmten Ecken kommt, halte ich den
lateinischen Spruch: quod licet Iovi non licet bovi («Was dem
Jupiter erlaubt ist, das ist dem Ochsen noch lange nicht gestattet.»)
für angebracht. Das, was wir hier in Israel kritisieren, darf
noch lange nicht die antisemitischen Impulse in Deutschland speisen.
Die Tatsache, dass wir in Israel aus politischen und humanistischen
Analysen heraus den Kampf gegen die Politik des Zionismus führen,
heißt noch lange nicht, dass irgendwelche Leute, die mit ihrer
eigenen Vergangenheit nicht zu Rande kommen, für ihren Antisemitismus
Argumente erhalten.
Damit meine ich nicht, dass Deutsche, und besonders deutsche
Linke, nicht berechtigt wären, an Israel vehement Kritik zu
üben. Aber man muss sich fragen aus welchen Gründen kritisiert
wird. Die Tatsache, dass in Deutschland jetzt im Kontext des Nahostkonfliktes
antisemitische Ausfälle wieder so leicht auflodern konnten,
zeigt nur, dass die Deutschen noch eine ganze Menge an ihren eigenen
Problemen zu arbeiten haben.
1967 hat die deutsche Linke sehr leichtfertig und viel zu schnell
eine Zionismuskritik betrieben. Ich bin heute der Meinung - was ich
jahrzehntelang anders sah - dass es bei der deutschen Zionismuskritik
schon immer sehr viele antisemitische Momente gegeben hat. Ich will
damit nicht sagen, dass der antisemitische Impuls das Hauptmotiv
der neuen Linken `68 gewesen wäre, aber als es darum ging, Israel
und den Zionismus zu kritisieren und sich mit den PalästinenserInnen
zu solidarisieren, da gab es sehr viele Momente, die antisemitisch
aufgeladen waren. Die Kritik an der israelischen Besatzung und dem
Zionismus gegenüber den PalästinenserInnen war keineswegs
unberechtigt, aber hier muss man sehr differenziert vorgehen. Ein
Beispiel: Wenn Christian Ströbele 1991 nach Israel kommt und
verkündet, dass die Israelis es sich selbst zuzuschreiben hätten,
dass sie jetzt mit Langstreckenraketen beschossen würden, dann
stammt dieses Argument ursprünglich von uns Linksradikalen hier
in Israel. Hätte sich Israel damals schon in Friedensverhandlungen
mit den PalästinenserInnen befunden, wäre es fraglich gewesen,
ob das Land von Irak aus bombardiert worden wäre. Nur: Der allerletzte
Mensch, der so etwas sagen durfte, war ein Deutscher, und schon gar
nicht in einem Moment, in dem das ganze Land total paralysiert war
und mit Langstreckenraketen beschossen wurde, die womöglich
noch mit deutschem Gas bestückt gewesen sind. Es handelt sich
um zwei völlig verschiedene Dinge, ob linke Israelis die Ereignisse
kritisieren oder ob das Deutsche aus antisemitischen Impulsen heraus
tun.
Ich plädiere dennoch dafür, dass Israel auch in Deutschland
kritisiert werden darf. Aber man muss differenzieren und genau hinsehen,
aus welchen Gründen Kritik geübt wird.
Moshe Zuckermann ist Professor für Geschichte
an der Universität Tel Aviv
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