FrohesVerbraucherFestTipps
Neulich besuchte ich mal wieder die Undergroundecke im Comicladen, abseits von
herkömmlichen Mainstream Comics und Mangas.
Es ist nichts Neues, dass mein Herz etwas schneller schlägt und mein schlechtes
Gewissen sich über links außen anschleicht, weil klar ist, dass nicht
vorhandenes Geld gegen bunte Bilder eingetauscht wird.
Diesmal war es anders. Ich erlitt einen mittelschweren Hysterieanfall.
Da lagen doch tatsächlich einige Katz&Goldt Comics, die sich noch nicht in
meinem Regal befanden, obwohl ich mir sicher war, sie alle zu besitzen.
Tatsächlich hatten Katz&Goldt einen Comic ohne mein Wissen herausgebracht. Die
anderen waren neu bei Carlsen Comics erschienen und abgesehen von einer ganz
feinen Umschlagsgestaltung ist alles beim alten geblieben ("Wenn Adoptierte den
Tod ins Haus bringen", "Koksen um die Mäuse zu vergessen", "Ich Ratten" sind die
grandiosen Titel der bereits schon vor längerer Zeit erschienen Comics). Vorher
sind sie bei dem legendären JochenEnterprises Verlag erschienen.
JochenEnterprises ist leider letztes Jahr pleite gegangen.
Gerade wird mir einiges klar. Auf dem Comic Salon in Erlangen letztes Jahr hab´
ich mir bei JochenEnterprises einige hartgebundene teure Comics angeeignet. Der
überaus sympathische Herr wollte mir von sich aus dermaßen viel Rabatt gewähren,
dass ich mich FAST gesträubt hätte, so viel Geld zu sparen. Entweder sie wussten
bereits, dass ihr Verlag bald sterben würde und sind einfach famose Menschen
oder sie sind daraufhin pleite gegangen. Wie dem auch sei, eine traurige
Tatsache. Aber jetzt zu "Oh, Schlagsahne! Hier müssen Menschen sein". Der Titel
vom neuen Comic Katz&Goldts. Vielleicht erzähl´ ich doch noch kurz über
Katz&Goldt: Max Goldt ist einigen sicherlich als Schreiberling von TITANIC
Kolumnen und den grandiosesten Büchern (z.B. "Quitten für die Menschen zwischen
Emden und Zittau", "Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz
Kluncker") bekannt. "Foyer des arts" hieß die Neue Deutsche Welle Band, bei der
er damals mitgewirkt hat. Auch einfach prima hörbar.
Wer ihn nicht kennt, dem kann ich jetzt leider auch nicht wirklich weiterhelfen,
weil es schwierig ist seine Inhalte zu erklären. Ein paar Gedanken von mir über
Max Goldt sind das Einzige, womit ich dienen kann.
Ich hab’ mich oft gefragt, ob er abgefahrenere Sachen im Leben erlebt hat als
ich und deshalb solch wunderbare, interessante Geschichten schreiben kann. Ich
war eifersüchtig. Nein, er sieht Sachen einfach anders. In seinen Gedankengängen
befinden sich, glaube ich, keine Grenzen. Außerdem bewundere ich seine Wortwahl
bzw. neue Worterfindungen sehr.
Solche oder ähnliche Gedanken hatte der Herr Katz wohl auch. Er fing an, Texte
von Goldt zu illustrieren. Goldt wiederum gefielen die Zeichnungen und seit 1996
arbeiten beide zusammen an den Comics.
Jetzt aber endlich zum Comic selbst: Was direkt auffällt ist, dass der gesamte
Band in Farbe erschienen ist. Was ja auch kein Wunder ist, da Carlsen Comics
sicherlich mehr Kohle zur Verfügung haben als es JochenEnterprises jemals
hatten. Die Farbwahl gefällt mir ziemlich gut, weil sie nicht konservativ
unüberlegt zu sein scheint. Allerdings drängten sich mir Überlegungen auf , ob
die Zeichnungen klarer, übersichtlicher, einfach nicht mehr so verwirrend sind.
Genau dieses fehlt mir. Ich finde die Geschichten immer noch sehr abgefahren und
zum Schmunzeln anregend und auch teilweise sehr lustig, aber irgendetwas ist
verloren gegangen, obwohl die Farben dazu gekommen sind. Das ist ein bisschen so
wie wenn eine kleine Alternative Band, die super unbekannt, war auf einmal von
allen geliebt wird und zu einem Mainstreamlabel wechselt und auf MTV läuft.
Deshalb muss die Musik nicht zwangsläufig schlecht sein, aber ...
Ich stecke in einer Ambivalenz und werde da auch so schnell nicht rauskommen.
Katz&Goldt sind prinzipiell prima, weil sie anders sind. Man sollte mindestens
zwei Comics besitzen, aber ob es jetzt unbedingt dieses sein soll. Was ich
wirklich glaube?!
Es eignet sich außerordentlich gut als Weihnachts- oder Geburtstagspräsent.
Ebenfalls als Präsent verwendbar und relativ neu erschienen ist "Poppers,
Rimming, Tittentrimm " von Ralf König. Mein Computer macht mir gerade klar, dass
Rimming und Tittentrimm nicht zu seinem Wortschatz gehören, seltsamerweise aber
Poppers. Ich wusste auch nicht, was Rimming heißt. Ist auch nicht wirklich
wichtig. Schwule Verwandte, Bekannte und auch Freunde können da behilflich sein.
Es gibt nicht viel zu schreiben. Entweder man kennt "Sahneschnittchen",
"Superparadise" ... und liebt sie oder man sollte damit anfangen. "Poppers,
Rimming, Tittentrimm" ist gespickt von schwulen, klischee- und
realitätsbedienenden Geschichten. Es geht wie fast immer in Ralf Königs Comics
um den Geschlechtsakt und die Geschichten, die sich irgendwie davor und danach
zutragen. Die wiederum handeln von Tunten, Transen, Lederkerlen, Körperkult und
großen Schwänzen. Teilweise einfach nur witzig und dann echt zum brüllen für
Homos wie auch für Heteros.
Sollte man nicht unbedingt der Oma oder christlichkonservativen Eltern zu
Weihnachten schenken, aber ansonsten sicherlich ein feines Präsent.
FROHE WEIHNACHT!
D.K.
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