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Regelmäßige Kolumnen:


Kolumne: der kommentar

Titel: Kommentierter Wochenrückblick

17.11.2005 - Wolfang Schlicht

Angstmache in den USA, Beschwichtigungsversuche in Frankreich, Erstaunen über Kreuzberg, Beruhigen und ausgrenzen in der großen Koalition.

 

Kolumne: raumzeit-thema

Titel: "Erleichterung, weil dieses Massaker vom Gericht beim Namen genannt wurde"

25.06.2005 - Maike Dimar

560 Menschen wurden ermordet, als die 16. Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" am 12. August 1944 das kleine norditalienische Dorf Sant`Anna di Stazzema überfiel.

Über 60 Jahre lang wurden die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen. Dann entdeckte man 1994 im so genannten "Schrank der Schande", der jahrzehntelang aus dubiosen Gründen verschlossen in der Militärstaatsanwaltschaft in Rom stand, Akten über dieses und viele weitere Kriegsverbrechen. Eineinhalb Jahre lang währten die Verhandlungen vor dem Militärgericht von La Spezia wegen des Massakers von Sant`Anna. Am 22. Juni 2005 fiel das Urteil. Allerdings blieb die Anklagebank leer. Kein einziger der 10 Angeklagten war erschienen.

 

Kolumne: die rezension

Titel: „Der Luftkrieg gegen NÜRNBERG“

09.06.2005 - Marco Kuhn

Der Sammelband "Der Luftkrieg gegen Nürnberg", herausgegeben von Michael Diefenbacher und Wiltrud Fischer-Pache, ist im Auftrag der Stadt Nürnberg anlässlich des 60. Jahrestages der Bombardierung Nürnbergs am 2. Januar 1945 erschienen. Die Herausgeber beschreiben den Band als das "Resultat eines der bisher ambitioniertesten und effektivisten Arbeitsvorhaben des Stadtarchivs Nürnberg". Und tatsächlich macht dieser, hält man das 788 Seiten starke Werk erstmals in den Händen, einen beachtlichen Eindruck. Der Sammelband beleuchtet das Thema aus vielschichtigen, zum Teil auch abseitigen Blickwinkeln und ist insofern ein interessanter Mosaikstein für die Regionalforschung.

 

Kolumne: geschichte leben

Titel: ''...dann war es ein Traum''

07.04.2005 - Wolfgang Most

"Baiern ist Räterepublik ... " meldeten am 7. April 1919 Telegramme aus München an die bayerischen Städte und Gemeinden. Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte (ASB) übernahmen in vielen Städten und kleinen Ortschaften die Macht. Nürnberg und Erlangen schlossen sich der Räterepublik nicht an und wurden zu einem Zentrum der Gegenbewegung.

 

Kolumne: unsere bunte warenwelt

Titel: Unsere bunte Warenwelt

07.04.2005 - Rudi Maier

Das sind Tage, erst scheint ganz dolle die Sonne, was ja nach dem langen und kalten Winter eine echte Wohltat ist, dann gibt es tagelang nur ein Thema, das hier jetzt gar nicht mehr große erwähnt werden soll – ich sage nur: Rom.

 


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Neue Deutsche Welle von der Maas bis an den Belt


 

Teil II: Studenten-Verbindungen - akademische Vertreter der Rechten

17.11.2002

Der elitäre Korpsgeist, der alle Verbindungen zusammenhalten lässt, zeigte sich auch beim Thomasbummel in Nürnberg. Am dritten Wochenende im Dezember findet auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt der traditionellen "Thomasbummel" statt (s. Veranstaltungskalender). Tausende Verbindungsstudenten aller Dachverbände samt alter Herren gefallen sich darin, im vollen Wichs, dabei handelt es sich um die Festtracht der Korporationen mit Mützen, Mänteln, Säbeln, Bändern etc., durch Nürnberg zu ziehen und zu zeigen, wer die Elite der Nation ist.

Ging es in der Nummer 17 der raumzeit um Weltbild und Ideologie von Korporationen, sollen in diesem zweiten Teil, neben ein paar historischen und aktuellen Vertiefungen, einzelne Verbindungen, die an der Universität Erlangen-Nürnberg präsent sind, beschrieben werden.

Ariernachweis statt "Bollwerk"

Die Auflösung der Verbindungen Mitte der 30er Jahre wird von diesen heute gerne als Beleg ihres Widerstandes bzw. der Unvereinbarkeit ihrer Ideen mit dem Nationalsozialismus ausgegeben. Das ist Geschichtsfälschung. Die vielbeschworenen Grundsätze und akribisch gepflegten Traditionen der Verbindungen haben historisch keinerlei Bollwerk gegen den Nationalsozialismus dargestellt. Vielmehr haben sich die Verbindungen aktiv an der Bekämpfung und Beseitigung der Weimarer Republik beteiligt.

Der Ariernachweis beispielsweise war in deutschen Burschenschaften und anderen Verbindungen lange vor Beginn der Naziherrschaft Wirklichkeit. Auch die christlichen Verbindungen machten keine Ausnahme. 1927 verkündete der Verbandsseelsorger E. Schlund des katholischen Dachverbandes CV (Cartellverband katholischer deutscher Studentenverbindungen):

"Ja, wir haben sogar die Pflicht, die Rasse von den ihr anhaftenden Minderwertigkeiten zu befreien, sie höher zu züchten. Das ergibt sich aus dem Begriff der Vaterlandsliebe. (...) Es ist von Seiten der katholischen Kirche und Moral nichts einzuwenden, wenn der CV sich rasserein erhalten und keine Juden in seinen Reihen aufnehmen will."

Bereits 1923 wurde in Erlangen eine Nationalsozialistische Studentengruppe mit 120 Mitgliedern gegründet. Besonders stark beteiligten sich daran die Burschenschaft der Bubenreuther und die Christliche Studentenverbindung Uttenruthia. Im Wintersemester 1927/28 waren 75% der Mitglieder des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) Korporationsstudenten.

1930 hielt Hitler eine Rede in Erlangen. Die Erlanger Ausgabe der "Monatsschrift für akademisches Leben - Fränkische Hochschulzeitung" beschrieb die Szenerie folgendermaßen: "Die Galerien sind schwarz von Menschen, die Treppengänge sind dicht besetzt und unten sitzt und steht Kopf an Kopf: Der Rektor der Universität, die vielen Professoren mit ihren Damen, Rektoren aus Nürnberg, Erlangen und Fürth (...). Die Korporationen sind größtenteils geschlossen erschienen: rechts leuchten die grünen Mützen der Korps, links die weißen der Wehrschaft. (...) Die Heilrufe, das Getrampel wollen nicht enden, Hunderte von Armen grüßen den Führer, Hunderte von bunten Mützen winken ihm zu."

1933, beim Festkommers anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Erlanger Burschenschaft der Bubenreuther verkündete der Festredner Pfarrer Eduard Putz: "Die nationalsozialistische Bewegung hat nämlich dort angeknüpft, wo 1817 die Urburschenschaft erwacht war. Die nationalsozialistische Idee ist deshalb die wahrhaftige und berechtigte Erbin der altburschenschaftlichen Bewegung."

Am 12. Mai 1933 fand in Erlangen, wie zwei Tage zuvor bereits in vielen anderen deutschen Universitätsstädten, eine öffentliche Bücherverbrennung statt. Sie wurde als "Aktion wider den undeutschen Geist" bezeichnet. Hier wurden im Anschluss an einen Fackelzug auf dem Schlossplatz sobezeichnete "jüdisch-marxistische" Schriften, begleitet von feierlichen Reden, den "heiligen Flammen" übergeben. Die Aktion wurde landesweit von den Nazis initiiert und vor Ort von den Allgemeinen Studenten Ausschüssen organisiert. Die studentischen Korporationen marschierten an der Spitze des Fackelzuges, noch vor den reinen Nazi-Organisationen NSDStB, SA, SS und Hitlerjugend.

Differenzen, die es zwischen Korporationen und den Nazis gab, bezogen sich nicht auf ideologische Inhalte. Der NSDStB hatte durch vielfältige und tatkräftige Unterstützung der Korporationen im Laufe der 20er Jahre an den Universitäten Fuß gefasst. Nachdem die Nazis an der Macht waren, entwickelten sie jedoch mehr und mehr einen Alleinvertretungsanspruch in der Studentenschaft. Dieser wurde von einigen Korporationen kritisiert, eine Kritik an den politischen Zielen des Nationalsozialismus wurde nicht artikuliert. Es gab organisatorische und persönliche Querelen, die jedoch nicht mit Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft verwechselt werden sollten. Die Auflösung der studentischen Verbindungen durch die Nazis Mitte der 30er Jahre erfolgte dann auch in der Regel durch freiwilliges Überführen in den NSDStB.

Der heutige Umgang der großen Mehrzahl der Studentenverbindungen mit diesem Sachverhalt kann nur als grobe Geschichtsklitterung bezeichnet werden. So behauptet z.B. die katholische Erlanger Studentenverbindung K.d.St.V. Gothia im Jahr 2002 auf ihrer Homepage:

"1935: Auf Grund nationalsozialistischer Verfolgung beschließt die 63. CV in Würzburg die Auflösung des Dachverbandes."

Durch diese Aussage soll suggeriert werden, der CV als Verband hätte gegen Naziideologie und -herrschaft Widerstand geleistet. Die Ergebenheitsadressen und begeisterten Grußworte, die Korporationen an den "Führer" und die nationalsozialistische Bewegung sandten, würden Bücher füllen. Bei den wenigen korporierten Einzelpersonen, die sich gegen die Nazis engagierten oder gar offen Widerstand leisteten, handelte es sich um eine verschwindende Minderheit. Und das Handeln dieser wenigen war zu keinem Zeitpunkt durch die Verlautbarungen irgendeines Dachverbandes gedeckt.

Demokratische Schafe - aus Tradition

Im Anschluss an einen rechtsextremistischen Vorfall bei der Burschenschaft Danubia in München (Sommer 2001) wurde etlichen Verbindungen in nahezu allen großen Zeitungen Gelegenheit zu Stellungnahmen gegeben. Die Danubia hatte einem Rechtsradikalen Unterschlupf gewährt, der wegen eines rassistisch motivierten Mordversuches an einem Griechen polizeilich gesucht wurde. Die Korporationen, die seit den 70er Jahren noch von einem großen Teil der StudentInnenschaft abgelehnt wurden, nutzten diese Chance zu schönfärberischen Selbstdarstellungen. Indem sie sich reihenweise von den vorgeblich "schwarzen Schafen" - nämlich den offen rechtsradikalen Burschenschaften - distanzierten, versuchen sie selbst wieder vollständig salonfähig zu werden. Eine im rechtsextremen Dachverband "Deutsche Burschenschaft" organisierte Erlanger Burschenschaft wirbt seither mit dem Slogan "demokratisch aus Tradition".

Zwar hatte es auch in den Jahren zuvor nur noch wenig offenen Widerstand gegen die Umtriebe der Korporationen gegeben, die beschärpten Burschen mussten sich allerdings ab und zu öffentliche Kritik und zuweilen auch einige Attacken gefallen lassen. Auch die Wahlergebnisse ihrer Listen bei den Hochschulwahlen waren lange Zeit eher dürftig. Im Jahr 2001 schaffte die Burschenschaft der Bubenreuther mit einer neuen Wahlliste aus dem Stand heraus immerhin 5,8%.

Gerade in ihrem öffentlichen Auftreten waren und sind die meisten Korporationen bemüht, sich keine Blößen zu geben und sich möglichst gesellschaftsfähig zu verkaufen. Bereits beim letzten großen Streik der Studierenden im Dezember 1998 gelang es einigen von ihnen, sich unter die StreikaktivistInnen zu mischen. Dort versuchten sie, Eingang in die eher gesellschaftskritisch und links orientierten Kreise der Studierenden zu finden.

Durch die Behauptung des bayerischen Innenminister Beckstein (selbst ein Korporierter), es gäbe in ganz Bayern lediglich drei "schwarze Schafe" unter den Korporationen - die Münchener Danubia, die Teutonia in Regensburg und die Frankonia in Erlangen (Dachverband "Deutsche Burschenschaft"), bekamen sie im Sommer 2001 die hochoffizielle Absolution.

Verwundern kann diese Einschätzung des bayerischen Innenministers nicht. Schließlich sind die korporierten Seilschaften in allen Schlüsselfunktionen anzutreffen, ob in der Wirtschaft, in Ministerien, Vorständen, Aufsichtsräten oder Bürgermeisterämtern. Der ehemalige Bundes-Innenminister Manfred Kanther hatte schon vor einigen Jahren bekundet, dass es eine Hauptaufgabe der Verbindungen sei, "national gesinnte" Männer in führende Positionen von Politik und Wirtschaft zu bringen. Die gegenseitige Protektion dieser elitären Männergesellschaft funktioniert bestens. Z.B. besteht ein Großteil der Mitglieder der bayerischen Staatsregierung, einschließlich ihres Chefs Edmund Stoiber, aus Korporierten. Um in der Region Mittelfranken zu bleiben seien nur einige Namen genannt: So ist der ehemalige Nürnberger CSU-Oberbürgermeister Scholz Mitglied der Nürnberger Verbindung Unitas, der vorherige SPD-Oberbürgermeister Schönlein stammt aus der Erlanger Burschenschaft der Bubenreuther, Beckstein ist Mitglied der Erlanger Verbindung AMV Fridericiana.

Drei Strophen - Der "demokratische" Flügel der Frankonia

Die Frankonia in der Loewenichstraße 16 wurde nach dem Sommer 2001 von Beckstein in der Liste der drei "schwarzen Schafe" geführt - allerdings mit der Einschränkung angeblicher interner Kämpfe zwischen einem demokratischen und einem rechtsradikalen Flügel der Verbindung. Diese Einschätzung erscheint sehr gewagt, ist doch die Frankonia eine der ganz wenigen Verbindungen, die bis dato keinen Hehl aus ihrer rechtsextremen politischen Ausrichtung gemacht hatte. In einer Chronik der Burschenschaft von 1987 wird die eigene Gesinnung beschrieben. Als 1967 die linken Kräfte innerhalb der StudentInnenschaft immer stärker wurden, entstand großer Aufruhr unter den Korporationen und "die FRANKONIA handelte. Am Thomastag 1967 zog sie auf dem traditionellen Bummel in Nürnberg einenWagen hinter sich her. Auf ihm hatten die Bundesbrüder einen Galgen aufgebaut, an dem eine Puppe aufgeknüpft war. An dieser befestigten sie ein Schild mit der Aufschrift: SDS - der Schönste Deutsche Student."

Die Abkürzung SDS stand 1967 für den Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Über die Feierlichkeiten zum 17. Juni 1977 in Erlangen schreiben sie weiter:

"Doch als wir Burschenschafter, allein schon durch unseren Spielmannszug musikalisch überlegen, das Deutschlandlied mit allen drei Strophen sangen, erboste sich der Herr Oberbürgermeister sehr. Er (...) wollte uns darüber belehren, daß nur die dritte Strophe (...) hätte gesungen werden dürfen. Im Bewußtsein, richtig gehandelt zu haben, wartete die FRANKONIA diese Belehrungen nicht ab".

Bei der Hochschulwahl 1995 trat die Burschenschaft mit demselben Wahlslogan an wie die NPD ein halbes Jahr zuvor bei der Bundestagswahl: "Wir räumen auf". Ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene, Jörg Fischer, bekundete in einem ARD-Fernsehbeitrag, dass die NPD häufig in den Räumen der Frankonia getagt habe. Die Studierendenvertretung der Universität Erlangen-Nürnberg (Studentische Versammlung/StuVe) weist in ihren Publikationen seit Jahren darauf hin, dass die Frankonia eindeutig rechtsextrem ist. Ein demokratischer Flügel ist an der Universität bisher nicht in Erscheinung getreten.

Seit der öffentlichen Kritik Becksteins rühmt sich die Frankonia ihrer liberalen politischen Haltung: So war beispielsweise in einer halbseitigen Rechtfertigungsanzeige in den Nürnberger Nachrichten zu lesen, sie wähle mit Bedacht die Referenten ihrer politischen Bildungsveranstaltungen aus allen politischen Lagern aus, um eine Auseinandersetzung mit allen politischen Richtungen zu ermöglichen. Ein Blick in die letzte der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Referentenliste von Ende der 90er Jahre zeigt folgende Zusammensetzung:

Kurt Goldmann - lange Jahre Bundesvorstand der Republikaner, Heiner Kappel - ehem. FDP MdL in Hessen von der FDP, schreibt für die rechtsextreme Junge Freiheit und ist Mitbegründer des Bund Freier Bürger (BFB) und der Deutschen Partei (DP), Pierre Krebs - Vorsitzender des rechtsextremen "Thule-Seminars", Ortwin Lowack - ehem. CSU MdB und seit seinem Austritt Bundesvorstand der Freien Bürger Union. Reinhold Oberlercher - in den 60er Jahren im SDS, spätestens seit den 80er Jahren sind dem "Nationalrevolutionär" rechtsradikale Betätigungen in verschiedenen Gruppierungen nachzuweisen und er ist ein guter Freund des Nazi-Anwalts und NPD Mitgliedes Horst Mahler, Andreas Trammers - Österreichische Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), Sammelbecken rechtsradikaler und revanchistischer Burschenschaften, die eng mit der "Deutschen Burschenschaft" (DB) kooperieren.

Ein kleiner Fauxpas ist der Verbindung bei allen Demokratiebeteuerungen dennoch unterlaufen (oder war es ein unauffälliger Wink für Eingeweihte?). In der bereits erwähnten Zeitungsanzeige, in der die Frankonia zum Rechtsextremismus-Vorwurf Stellung bezieht, findet sich folgender Satz: "Leider wird oftmals bereits dann von 'Rechtsextremismus' gesprochen, wenn unsere Nationalhymne mit all ihren Strophen gesungen wird." Die Nationalhymne der BRD kann es nicht sein, denn diese besteht nur aus einer Strophe. Dass das Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes (genauso wie beispielsweise das Zeigen der kaiserlichen Reichskriegsflagge) ein eindeutiges Kennzeichen für Rechtsextremismus ist, kann heute von niemandem geleugnet werden.

Neue Burschis aus Bubenreuth

Mit großem Pathos haben sich 1993 die Erlanger Burschenschaft der Bubenreuther und andere Burschenschaften vom Dachverband der "Deutschen Burschenschaft" getrennt, um sich nach eigener Aussage von deren rechtsradikaler Ausrichtung zu distanzieren und ein "liberales" Gegengewicht in der burschenschaftlichen Bewegung zu schaffen. So wurde der Dachverband "Neue Deutsche Burschenschaft" (NDB) gegründet, der sich selber als fortschrittlich bezeichnet. Die Mitglieder rühmen sich ihres demokratischen Selbstverständnisses und ihrer geradezu antifaschistischen Grundhaltung. Sogar die eigene Rolle im Nationalsozialismus wird von den Bubenreuthern mit einigen kritischen Worten kommentiert. Was die Bubenreuther konkret unter den Attributen "liberal" und "fortschrittlich" verstehen, lässt sich an einem Vorfall aus dem Jahr 1995 ablesen. Ein Alter Herr der Bubenreuther outete sich als homosexuell und musste daraufhin erfahren, dass Schwule nicht dazu bestimmt sind, zu der Elite zu gehören. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften wurden als "nicht gemeinschaftsfähig" abgelehnt. Sie seien unvereinbar mit dem Vereinsgrundsatz der Sittlichkeit, so lautete die Begründung für seinen Rauswurf.

Rechts gleich links für katholische Studenten

Ein Mitglied der katholischen Erlanger Verbindung K.D.St.V. Gothia und zudem ehemaliger Vorsitzender des CSU-Hochschulbundes RCDS, äußerte sich in einem Internet-Forum zu den antikapitalistischen Protesten in Göteborg folgendermaßen:

"Im Sommer 1933 hat der Erlanger AstA die Gothia aufgefordert, an einer 'judenreinen Woche' teilzunehmen. Vor wenigen Wochen gab es einen Aufruf des Sozialistischen Hochschulbundes gegen den Gipfel in Göteborg zu 'demonstrieren'. Damals wie heute verboten und verbieten die Werte, auf die sich u.a. die K.D.St.V. Gothia beruft, eine Teilnahme an solchen Aktionen oder auch eine Öffnung gegenüber dem dahinterstehenden radikalisierten Menschenbild".

Diese Aussage macht die politische Gesinnung des Autors deutlich. Selbstgerecht wird die Vergangenheit des eigenen Verbandes mit dem Hinweis auf die eigenen Grundsätze reingewaschen. Hierbei handelt es sich, wie gezeigt wurde, um eine klare Verfälschung der Rolle studentischer Verbindungen, einschließlich der katholischen, im 3. Reich. Was eigentlich als Diffamierung linker Demonstranten gemeint war, wird zu einem Offenbarungseid bezüglich der eigenen Rechtslastigkeit: Von denjenigen, die gegen Ausbeutung, Verelendung und Hungertod von zig Millionen Menschen auf die Straße gehen, wird behauptet, sie hätten dasselbe "radikalisierte Menschenbild" wie Nazis. Diese Gleichsetzung beinhaltet im Umkehrschluss unzweifelhaft eine ungeheuerliche Verharmlosung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.

Lasst Hakenkreuze leuchten - die Germania

Im Zusammenhang mit einer Mahnwache gegen den Golfkrieg 1991/92 kam es in Erlangen zu einem rechtsextremistischen Zwischenfall, der Schlagzeilen machte. Ein Mitglied der Burschenschaft Germania wurde dabei beobachtet, wie er ein aus Lichtern geformtes Kreuz so umordnete, dass es weithin erkennbar in Form eines Hakenkreuzes erstrahlte. Erst als der Skandal öffentlich immer höhere Wellen schlug, erfolgte vom Seniorenconvent der Corps (SC) ein sogenannter Waffenverruf (d.h. mit der betreffenden Verbindung werden die Fechtbeziehungen aufgehoben und somit keine Mensuren mehr geschlagen) gegen die Burschenschaft Germania - mit der Begründung, die Burschenschaft habe sich nicht rechtzeitig von ihrem Nazi-Bundesbruder distanziert.

Teutsche Sprache - Verein Deutscher Studenten (VDSt)

Der Verein Deutscher Studenten (VDSt) wurde einst gegründet, weil antisemitische Studenten bereits im 19. Jh. nicht hinnehmen wollten, dass Studenten jüdischen Glaubens Mitglieder in derlei "deutschen" Vereinigungen sein durften - eine frühe Art der Umsetzung des späteren "Arierparagraphen" der Nazis. Ein Mitglied des selben, Thomas Paulwitz, widmet sich dem Erhalt der deutschen Sprache und der Bekämpfung von Anglizismen

Gemeinsam mit dem Wiener Stefan Micko, Vorsitzender des völkisch-nationalistischen österreichischen "Bundes für Volksgesundheit" hat er ein Wörterbuch herausgebracht - das "Volks-Wörterbuch Engleutsch", sowie die Zeitung "Deutsche Sprachwelt" (DSW). In diesen Pamphleten manifestiert sich der völkische Gedanke einer "reinen" deutschen "Sprache". Vor allem NPD- und rechtsextreme Kameradschaftsmitglieder praktizieren die Eindeutschung aller erdenklichen Wörter. Unter dem Deckmantel von "Sprachpflege" wird hier völkische Propaganda verkauft und salonfähig gemacht.

Scharniere

Verbale Distanzierungen von Rechtsextremisten und Rechtsextremismus sind für Verbindungsstudenten selbstverständliche Phrasen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass es sich hierbei um reine Lippenbekenntnisse handelt. Im "Convent Deutscher Korporationsverbände" (CDK) beispielsweise sind insgesamt 12 Dachverbände gemeinsam mit Rechtsextremisten organisiert. Das "Gemeinsame Hochschulpolitische Aktionsprogramm studentischer und akademischer Korporationsverbände in Deutschland" wurde von christlichen Verbindungen in trauter Eintracht mit Corps, Landsmannschaften, Turnerschaften und den Rechtsextremisten der Deutschen Burschenschaft verabschiedet.

Keineswegs alle Korporierten sind gewaltbereite Rechtsextremisten. Die Skala der rechten Gesinnung geht stufenlos bis ganz rechts außen. Studentenverbindungen müssen allerdings aufgrund ihrer Grundsätze als autoritär, hierarchisch, elitär, sexistisch und nationalistisch bezeichnet werden. Einige sind auch offen völkisch-rassistisch. Die geistige Grundlage des Verbindungswesens ist demnach teilweise identisch, jedoch zumindest in vielerlei Hinsicht problemlos anschlussfähig an rechtsextremes Denken.

AutorIn: Antifaschistischer Arbeitskreis Fürth